Legenden

Nurit Stark, Viola
Cédric Pescia, Klavier

Zsófia Boros, Gitarre

KEPLER-KONSort:
Ardeshir Babak (Tenor-Solo), Karl Brandstötter (Tenor), Raphael Trimmel (Tenor), Andreas Lebeda (Leitung, Bass), Klaus Wetzlinger (Bass),

Mariia Pankiv, Klavier

 

Franz Schubert (1797 - 1828), Nachthelle für Tenor-Solo und vier Männerstimmen, D 892 (Text: Johann Gabriel Seidl)
Johann Kaspar Mertz (1806 - 1856), La Rimembranza für Gitarre solo
Franz Schubert, Grab und Mond („Silberblauer Mondenschein“), Quartett für Männerstimmen, D 893 (Text: Johann Gabriel Seidl)
Heinrich von Herzogenberg (1843 - 1900), Legenden für Pianoforte und Bratsche  (Andantino, Moderato, Andante)
Franz Schubert, Die Nacht („Wie schön bist du“), Quartett für Männerstimmen und Gitarre, D 983c [op. 17/4] (Text: Friedrich Wilhelm Krummacher)

 

Etymologisch lässt sich das lateinische Credo, der „Glaube“ als Motto des heutigen Festivaltages, aus dem Substantiv cor (das Herz) und dem Verb do (geben, anvertrauen, aushändigen, opfern, reichen, überlassen) ableiten – was ein ganzes Spektrum gedanklicher und musikalischer Assoziationen eröffnet, die weit über die alltagssprachliche Annahme hinausgehen, Glaube könne sich nur auf ein religiöses Bekenntnis beziehen. Jemandem sein Herz anzuvertrauen setzt ein höchst intimes Einvernehmen zwischen zwei Menschen voraus: die Bereitschaft, sich zu öffnen, sich aufeinander zu beziehen und einander Zuwendung, Aufmerksamkeit und Gehör zu schenken. Etwas, das besonders dann Gestalt annimmt, Neues entstehen lässt und gelingt, wenn sich zwischen denen, die sich beherzt auf einen Dialog einlassen, Resonanz einstellt und so stimmig wie berührend hörbar wird. In diesem Sinn wollen wir Glaube als intime und unendlich fein abgestimmte Kommunikation zwischen Musikern und Zuhörern verstehen – um dabei Vergessenes in Erinnerung zu rufen oder aus Konzertprogrammen längst Verschwundenes neu erzählt zu bekommen. Etwa die „Legenden“ des Grazer Komponisten Heinrich von Herzogenberg, die dem von Felix Mendelssohn Bartholdy geförderten Geigenvirtuosen Joseph Joachim gewidmet sind. Das Festival konnte Nurit Stark, ebenso eine Ausnahmegeigerin, dafür gewinnen, ihre eigene Lesart in dieses Stück einzubringen und seinem Herzschlag nachzuspüren. Als Artist in Residence unseres Festivals wird sie noch in anderen Konstellationen zu hören sein. 

Von Joseph Joachim, der einer jüdisch ungarischen Familie entstammt, zieht sich ein magyarischer Bogen zum Schubert-Zeitgenossen Johann Kaspar Mertz, dessen melancholisches Gitarren-Kleinod „La Rimembranza“ von Zsófia Boros dem Vergessen enthoben wird. Drei Vokalquartette Franz Schuberts schließen den Kreis. Sie umschreiben die Sehnsucht, in der jeglicher Glaube begründet ist – einen Ort, an dem Hoffnung und Zweifel sich treffen, und den wir alle miteinander teilen: die Erfahrung der Zerbrechlichkeit und Endlichkeit allen menschlichen Lebens, die Fülle und das Licht, das die Nacht durchflutet, wenn wir zurückblicken.

 

Donnerstag, 2. Mai 2019  
Brucknerhaus, Mittlerer Saal, Linz, 21:00 Uhr
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