Nachtgesang

Asia Madani, Stimme
Ahmed Badry Mahmud, Daf, Djembe, Nogara, Darabouka
Ihab Abdelhamid Al-Said, Daf, Djembe, Nogara, Darabouka, Talking Drum
Ahmed Omar Obrahim, Karar, Tambur

Das musikalische Erbe ihrer sudanesischen Heimat lebendig zu halten, ist das Anliegen der seit 2001 in Kairo lebenden Sängerin und Perkussionistin Asia Madani. Die Künstlerin stammt aus Wad Madani, einer Stadt, die 150 km südöstlich von Khartoum am Blauen Nil liegt und als „Stadt der Künste“ gilt. In eine überaus musikalische Familie geboren – ihr Vater war ein bekannter Oud-Virtuose, ihr Bruder Perkussionist – war ihre künstlerische Laufbahn vorgezeichnet, wenn auch von ihren öffentlichen Auftrittsmöglichkeiten als Frau im Sudan stark eingeschränkt. Sie emigrierte deshalb nach Ägypten, wo sie rasch Anschluss an die vital brodelnde Musikszene Kairos fand und sich von dort aus bald auch international zu vernetzen wusste – so etwa über das interkulturelle „Nile Project“, das Künstler von Ruanda und Burundi über Uganda und den Sudan bis Ägypten miteinander in Verbindung und auf renommierte internationale Konzertbühnen bringt. Asia Madani gestaltet ihre Lieder aus dem reichen Fundus afrikanischer Musikkulturen, wenn sie alte nubische Gesangstraditionen mit der Folklore der südlichen Provinzen des Sudans kunstvoll verschränkt. Sie schöpft aber auch aus der anarchischen Kraft der aghani al banat (Girls’ Songs), einer urbanen Musikform, die sich gegen traditionelle Rollenzuschreibungen und männliche Bevormundung wandte und im Sudan ausschließlich Frauen vorbehalten war. Ihren Gesang begleitet sie mit der Dalouka oder mit der El Gara’a Gourd, einer Kalebasse, die mit Schlagstöcken bespielt wird. Die Dalouka wird im Sudan überhaupt als schlechthin weibliches Instrument gesehen, was auch historische Bezüge hat: Beim Mahdi Aufstand, der dem Sudan Ende des 19. Jahrhunderts erstmals die staatliche Unabhängigkeit beschied, feuerte die legendäre Trommlerin Meheira Ben Abboud die Rebellen mit ihrer Dalouka zum Kampf an. Die Dalouka ist aber auch jenes Instrument, dem im Zar-Kult eine herausragende Rolle zukommt, und das dort ebenfalls fast ausschließlich von Frauen gespielt wird. Zar ist eine spirituelle Subkultur, ein Trance-Kult, dessen Zeremonien animistische Praktiken, magische Heilungsrituale und Exorzismen beinhalten, und der seine Anhänger mit ekstatischem Gesang, hypnotisierender Rhythmik und Tanz auf Seelenreisen schickt. Asia Madani ist Teil dieser spirituellen Gemeinschaft; Zar-Musik ist der Glutkern ihrer künstlerischen Arbeit, ihre wichtigste Inspirationsquelle und untrennbar mit ihrer Musik verbunden. In der Kultur ihrer Heimat werden Frauen massiv unterdrückt, äußerte Madani in einem Interview; Zar sei eine der wenigen Formen, in denen sie sich ausdrücken können.

 

Samstag, 4. Mai 2019  
Brucknerhaus, Mittlerer Saal, Linz, 22:30 Uhr
Nachtgesang