Offene Herzen

In „Corazón abierto“ geht es um innere Freiheit innerhalb einer Gesellschaft mit einem Regelsystem, in einer Art und Weise, dass sowohl das Individuum als auch die Gruppe musikalisch gleichberechtigt sind. Das ist das Hin und Her zwischen Individualität und der Freiheit und Verantwortung des Individuums innerhalb einer Gesellschaft.

 

Maria de Alvear

Cantando Admont, Vokalensemble
Cordula Bürgi, Musikalische Leitung

Ensemble 4020:
Greta-Sophie Lantschner
, Violoncello; Julian Kabas, Kontrabass; Ria Georgiadis, Flöte; Theresa Dinkhauser, Bassklarinette, Klarinette; Lukas Schmidlehner, E-Gitarre; Lorenz Gerl, Schlagzeug; Felix Lindner, Schlagzeug; Sven Birch, Leitung, Klavier

Yiran Zhao, Lichtregie

Carola Bauckholt (*1959), Instinkt für sechs Stimmen
Yiran Zhao (*1988), Ohne Stille II für große Trommel, Schlagzeug und Lichtregie
Maria de Alvear (*1960), Tapas für Flöte, Klarinette, Klavier und Stimme
Corazón abiertooffenes Herz für Bassklarinette, E-Gitarre, Klavier, Schlagzeug, Violoncello und Kontrabass

Die Verbindung zwischen Carola Bauckholt und Maria de Alvear wurzelt in den 1980er Jahren, der gemeinsamen Studienzeit in Köln bei Mauricio Kagel, einem Vorreiter des experimentellen Musiktheaters. Musik und die Wirkung ihrer Umsetzung auf das Publikum, das Inszenieren der Bühnensituation, die Einbindung von Bewegung, Licht und Kostüm waren damals geradezu revolutionäre Überlegungen, die nachhaltig Spuren in den Kompositionen von Bauckholt und de Alvear hinterlassen haben. Eine Generation später steht Yiran Zhao, die u.a. in Linz bei Bauckholt studiert hat, ebenso in dieser alle Sinne ansprechenden Tradition des Performativen.

Als Ausgangsmaterial für „Instinkt“ für sechs Stimmen wählte Carola Bauckholt eine Aufnahme der Lautgebungen von Schlittenhunden, arktischen Polarfüchsen, Eistauchern, Wasserhühnern und Walen. Diese markanten Stimmen, die beim Zuhören Emotionen zwischen Faszination, Mitleid und Befremden auslösen, transferierte Carola Bauckholt in eine Partitur für menschliche Stimmen. Verrückte Herzen im ewigen Eis …

In der eigenständigen, überaus sinnlichen künstlerischen Sprache von Yiran Zhao bilden Musik, Licht und Bewegung eine Einheit, die stets den Rest eines Geheimnisses zu bewahren scheint. „Ohne Stille“ ist ein poetisches Stück, in dessen Zentrum eine große Trommel steht. Die runde weiße Bespannung des archaischen Instruments dient auch als Schattenprojektion und weckt Assoziationen zum Vollmond.

Maria de Alvear, aufgewachsen in einem künstlerischen Umfeld in Spanien, ist Gastkomponistin des Festivals und sowohl als Performerin als auch mit zweien ihrer Werke zu erleben. Zu ihren Ausdrucksformen zählen auch Videoarbeiten und Installationen. Dabei sucht sie stets nach den adäquaten Mitteln – sei es aus der Erfahrung, die sie in ihrer Auseinandersetzung mit ethnischen Gruppen gemacht hat, sei es aus ihrer kompromisslosen Haltung heraus, die Freiheit des Menschen an die erste Stelle zu setzen.

„Corazón abierto“ (Offenes Herz) passt nicht nur vom Titel her perfekt zum Thema des Festivals – das Stück verfolgt in seiner Anlage, die den Interpreten viele Entscheidungen überträgt, auch einen sehr demokratischen Ansatz. Der Dirigent organisiert den Rahmen, innerhalb dessen die Musikerpersönlich-keiten als Solisten hervortreten können.

Ganz anders gelagert ist das sehr unterhaltsame und überraschende Stück „Tapas“, in dem Maria de Alvear selbst mitwirkt. Hier weiß jeder Spieler, was er genau zu tun hat und die einzelnen, kurzen Sätze sind verheißungsvoll nach den beliebten spanischen Speisen benannt.

 

Samstag, 4. Mai 2019  
Brucknerhaus, Mittlerer Saal, Linz, 20:30 Uhr
Offene Herzen